Energieeffizientes Bauen und Sanieren in der Schweiz

Gesetzliche Grundlagen

Förderprogramme zur effizienten Nutzung von Energie fallen in den Zuständigkeitsbereich der Kantone und Gemeinden. Beim Erlassen von Energiegesetzen verzichtet der Bund auf verschiedene Kompetenzen. Für die Maßnahmen im Gebäudebereich beispielsweise sind die Kantone zuständig. Die Kantone setzen individuelle Schwerpunkte und die Gemeinden tragen die Verantwortung für den Vollzug der kantonalen Vorschriften und des Bundesrechts. Die Ansprechpartner der Energiefachstellen und Energieberatungsstellen findet man auf der Homepage des Bundesamts für Energie. (www.bfe.admin.ch)

 

Im August 2009 wurde durch den Schweizer Bundesrat im eidgenössischen Energiegesetz ein national einheitlicher Gebäudeenergieausweis GEAK® verabschiedet. Dieser Gebäudeenergieausweis ist aber als freiwillige Maßnahme in den Mustervorschriften der Kantone im Gebäudebereich (MuKEn) aufgeführt. Die obligatorische Einführung ist den Kantonen überlassen. Seit dem 01.08.2013 ist der GEAK beispielsweise im Kanton Freiburg obligatorisch. (www.geak.ch)

 

Mit dem Programm EnergieSchweiz haben die Kantone erstmals eine Strategie für die gemeinsamen energiepolitischen Aktivitäten im Gebäudebereich verabschiedet. (www.energieschweiz.ch)

 

Auf Freiwilligkeit basiert auch das technische Merkblatt SIA-Effizienzpfad Energie (SIA 2040) . Das Merkblatt wurde im Jahr 2011 vom Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) erarbeitet und hat die aktuellen europäischen Normen zum Vorbild.



Standards und Zertifizierungen

In der Schweiz gibt es zwei anerkannte Standards für den Gebäudesektor: die Norm "SIA" des Schweizerischen Ingenieur- und Architekten-Vereins und das MINERGIE®-Label. Beide Standards haben keinen obligatorischen Charakter, sondern sind lediglich Empfehlungen.

 

MINERGIE®

MINERGIE® ist eine eingetragene Marke und eine kostenpflichtige Zertifizierungsmöglichkeit. Sie entstand durch ein breites Netz aus Bund, Kantonen, Wirtschaft, Vereinen, Schulen und Einzelmitgliedern. MINERGIE® gibt Auskunft über Standards für Energieeffizienz und Ökologie im Gebäudesektor. (www.minergie.ch)




SIA-Norm

Die SIA-Norm wurde vom Schweizerischen Ingenieur- und Architekten-Verein SIA entwickelt. Sie gibt Richtlinien zum Einsatz von nicht erneuerbaren Energien in Gebäuden. Die Anwendung der SIA-Normen ist freiwillig, die Normen sind aber als Stand der Technik anerkannt.



 

MINERGIE® ist ein freiwilliges und kostenpflichtiges Qualitätslabel.

2011 wurde es in der Schweiz an etwa 13 % der Neubauten und 2 % der sanierten Altbauten verliehen. Die breite Anerkennung des Vereins MINERGIE® wird dadurch gefördert, dass er von Bund, Kantonen und der Wirtschaft getragen wird.

Die Standards von MINERGIE® werden auf Basis der SIA 380/1 und der SIA 380/4 definiert. Die Zertifizierung gibt es sowohl für den Neubau als auch für die Modernisierungen verschiedener Gebäudekategorien. Ziel des Qualitätslabels ist ein hoher Wohn- und Arbeitskomfort für die Nutzer bei einem gleichzeitig rationellen Energieeinsatz und der Nutzung erneuerbarer Energien. Die Anforderungen an den MINERGIE®-Standard beruhen auf bestehenden Schweizer Normen und Vorschriften.

Man unterscheidet mehrere aufeinander aufbauende Standards:

MINERGIE®

Ein Neubau hat nach diesem Standard verschiedene Kategorien zu erfüllen. Diese reichen von einer gut gedämmten Gebäudehülle bis zu einer guten Luftdichtigkeit des Gebäudes, von der Vermeidung von Wärmebrücken, bis hin zur Lufterneuerung mittels einer Komfortlüftung. Hauptziel ist ein guter Wohnkomfort.

MINERGIE-P®

Dieser Standard ist mit dem deutschen Passivhaus vergleichbar. Neben den Bedingungen des MINERGIE®-Standards muss in dieser nächsten Stufe ein noch niedrigerer Energieverbrauch realisiert worden sein. Eine zusätzliche Dämmschicht alleine wird noch nicht anerkannt, es muss ein Gesamtkonzept umgesetzt sein. Die Mehrkosten können hier maximal um 15 Prozent höher sein, als bei konventionellen Vergleichsobjekten.

MINERGIE-ECO® / MINERGIE-P-ECO® / MINERGIE-A-ECO®

Dieser Standard ergänzt MINERGIE® und MINERGIE-P® um gesundheitliche und bauökologische Qualitäten.

MINERGIE-A®

Das MINERGIE-A®-Siegel geht noch einen Schritt weiter als die Richtlinie 2010/31 der Europäischen Union. Das Qualitätssigel setzt die herkömmlichen MINERGIE-Standards voraus und baut darauf auf. Ein Haus mit einem MINERGIE-A®-Siegel entspricht einem Nullenergiehaus.

Die Richtlinien des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA):

SIA 380/1 „Thermische Energie im Hochbau“, 2009

Diese Norm strebt einen effizienten und maßvollen Einsatz von Energie für Raumheizung und Wassererwärmung unter Beachtung wirtschaftlicher Aspekte an. Der Verbrauch von nicht erneuerbaren Energien wird auf 48 kWh/m² und Jahr festgeschrieben. (www.sia.ch)

SIA 380/4 „Elektrische Energie im Hochbau“, 2006

Diese Norm soll als Planungshilfe den Elektrizitätsverbrauch von Gebäuden optimieren. (www.sia.ch)



Wichtige Adressen

bau-schlau

bau-schlau ist eine Kampagne von EnergieSchweiz zur rationellen Energienutzung in Gebäuden. Die Kampagne wurde im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BFE) initiiert. (www.bfe.admin.ch)

 

Das Gebäudeprogramm

Das Gebäudeprogramm wurde geschaffen, um die Modernisierung der Bestandsgebäude voranzutreiben. Die Förderung setzt sich aus Fördergeldern des Bundes und der Kantone zusammen. Gefördert werden energetische Sanierungen sowie der Einsatz erneuerbarer Energien. (www.dasgebaeudeprogramm.ch)

 

Energie Schweiz

EnergieSchweiz ist die Plattform, die alle Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz unter einem Dach vereinigt. Die Plattform entstand in Zusammenarbeit von Bund, Kantonen, Gemeinden und Partnern aus Wirtschaft- und Umweltorganisationen. Die Ziele sind: Sensibilisierung, Beratung und Qualitätssicherung. (www.energieschweiz.ch)

 

Konferenz kantonaler Energiedirektoren

Die Energiefachstellenkonferenz (EnFK) behandelt fachtechnische Fragen. Ihr angegliedert ist das gemeinsame Energie-Kompetenzzentrum der Kantone. Die EnFK fördert und koordiniert die Zusammenarbeit der Kantone in Energiefragen und vertritt die gemeinsamen kantonalen Interessen. (www.endk.ch)

 

Qualitätslabel MINERGIE®

Energiepolitische Bestrebungen im Gebäudesektor werden seit 1998 auch durch das Qualitätslabel MINERGIE® unterstützt. Die Marke entstand durch die Zusammenarbeit von Bund, Kommunen, öffentlichen Einrichtungen, Wirtschaftsunternehmen und Einzelpersonen und gibt Standards für eine freiwillige Qualitätssicherung im Schweizer Baugewerbe vor. (www.minergie.ch)



2000-Watt-Gesellschaft

Das Modell der 2000-Watt-Gesellschaft wurde im Rahmen des Programms Novatlantis an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) entwickelt. Nach diesem energiepolitischen Modell soll der Energiebedarf jedes Erdbewohners die durchschnittliche Leistung von 2000 Watt nicht übersteigen. (www.novatlantis.ch)