Energieeffizientes Bauen und Sanieren in Deutschland

Gesetzliche Grundlagen

Ein Großteil der Wohngebäude in Deutschland wurde vor 1978 errichtet, also vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung. Bei fast der Hälfte aller Wohnhäuser ist in den nächsten 20 Jahren mit einer Sanierung zu rechnen.

Energieeinsparverordnung (EnEV)

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt den Energiebedarf von Gebäuden vor. Sie ist Teil des deutschen Baurechts und enthält grundlegende Bestimmungen zur Energieeinsparung und zur Begrenzung des Energiebedarfs bei Gebäuden. Die EnEV gilt für alle Neubau- und Modernisierungsmaßnahmen von Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden.

Energieausweis

In § 5a der Energieeinsparungsverordnung (EnEV) ist der Energieausweis für Gebäude geregelt. Dieser soll für mehr Transparenz am Immobilienmarkt sorgen und allen Marktteilnehmern verlässliche Informationen über den Energiebedarf und die energetische Qualität eines Gebäudes liefern.

 Gesetz zur Einsparung von Energie in Gebäuden

 
Die Bundesregierung hat am 16. Oktober 2013 die Novellierung der EnEV beschlossen. Die Neuerungen treten überwiegend am 1. Mai 2014 in Kraft.
www.enev-online.de

Standards

In Deutschland existieren für den Bau und die Sanierung von Gebäuden verschiedene Standards, die Auskunft über die Energieeffizienz eines Gebäudes geben. Ganz allgemein als „Energiesparhäuser“ bezeichnet man Häuser, die einen niedrigeren Energiebedarf haben, als es die Energieeinsparverordnung vorsieht. Der konkrete Wert wird anhand zweier Referenzgrößen ermittelt:

  • Primärenergiebedarf (verbrauchte Energie pro m2 pro Jahr für Heizen, Lüften und Warmwasserbereitung)
  • Transmissionswärmeverlust (Energie, die von beheizten Räumen nach außen verloren geht)

Das X-Liter-Haus bezeichnet die Menge des verbrauchten Heizöls pro Quadratmeter und Jahr.

 

Das 3-Liter-Haus beispielsweise verbraucht zum Heizen der Räume ca. 1/3 der Energiekosten eines konventionellen Hauses. Neben dem effizienten Wärmerückgewinnsystem ist auch der Pufferspeicher wichtiges Element dieses Standards. Der Energiestandard des X-Liter-Hauses wurde vom Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) entwickelt und markenrechtlich geschützt.

Unter dem Plus-Energie-Haus versteht man ein Nullenergiehaus, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht.

 

Im Plus-Energie-Haus wird die benötigte Energie für Heizung, Warmwasser, Lüftung etc. im oder am Haus selbst erzeugt (meist durch solare Gewinne). Überschüssige Energie wird in das Versorgungsnetz der Stadtwerke eingespeist.

 

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert das Plus-Energie-Haus. 2011 errichtete das BMVI ein sogenanntes „Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität“ in Berlin. Seit März 2012 gibt es auch ein zum Plusenergiehaus saniertes Gebäude in Darmstadt.

 

Im Rahmen  der Elektromobilitätsforschung ist das Konzept Energie-Plus-Haus vor allem für den Erwerb oder für den Besitz von Elektroautos interessant: Die überschüssige Energie, die das Haus erzeugt, wird in einer Ladestation für das Elektroauto gespeichert.

Hinter dem Begriff Passivhaus steht ein Baukonzept und kein Markenname. Das Passivhaus ist auf keine Bauweise festgelegt, sondern kann in Massiv-, Holz- oder Mischbauweise erstellt werden. Auch in der Altbausanierung können Komponenten des Passivhauskonzepts umgesetzt werden. Entscheidend ist, dass der Wärmebedarf aus „passiven“ Quellen, wie Sonneneinstrahlung oder Abwärme, gespeist wird. In Deutschland hat insbesondere das Passivhaus Institut Darmstadt als Forschungseinrichtung die Entwicklung des Passivhauskonzepts maßgeblich gefördert.

 

Die IG Passivhaus Deutschland, die International Passive House Association (iPHA) und das Passivhaus Institut Darmstadt entwickelten gemeinsam ein umfangreiches Passivhauslexikon. ( www.passipedia.passiv.de )

 

Nach der vom Passivhaus Institut Darmstadt entworfenen Definition muss ein Passivhaus im Jahresheizwärmebedarf, in der Heizlast, in der Luftdichtheit und im Primärenergiebedarf bestimmte Werte einhalten. ( www.passiv.de )

Der Standard Nullenergiehaus wird erreicht, wenn die extern zugeführte Energie für Heizung, Warmwasser und Strom im Jahresmittel durch die eigene Energiegewinnung wieder ausgeglichen wird. Gebäude, die keine externe Energie beziehen, sich selbst versorgen und auch die "graue Energie" ausgleichen, nennt man "energieautark".

Das Niedrigenergiehaus darf ein bestimmtes Niveau an Energiebedarf nicht überschreiten.

Die Werte für den Bedarf des Niedrigenergiehauses für Heizwärme und Warmwasser wurden mit der Einführung der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegt. Durch die EnEV wurden 2009 noch einmal die Grenzwerte angehoben.

Mit der Energieeinsparverordnung EnEV 2009 wurde der Begriff „Effizienzhaus“ eingeführt.

Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) hat zusammen mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Standards und damit Qualitätszeichen für das Effizienzhaus festgelegt. So verbraucht beispielsweise das "Effizienzhaus 55" lediglich 55 % der Energie eines vergleichbaren Neubaus. Die KfW nutzt dieses Qualitätszeichen im Rahmen ihrer Förderprogramme „energieeffizient Bauen“ und „energieeffizient Sanieren“ zur Berechnung der Förderhöhe. (www.kfw.de )




Zertifizierungen

Das Bewertungssystem nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) ist für Baumaßnahmen des Bundes verbindlich.

Das BNB-Zertifikat findet seine Anwendung beim Neubau von staatlichen Verwaltungs- und Bürogebäuden. Es wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) entwickelt und ist seit Mitte 2010 für alle Bundesbaumaßnahmen verbindlich. Der Leitfaden Nachhaltiges Bauen informiert zudem über die Prozesse und Inhalte des Bewertungssystems BNB.
www.nachhaltigesbauen.de

DGNB-Zertifikat



Das DGNB-Zertifikat dient der Planung und Bewertung von nachhaltigen Gebäuden. Das Zertifikat wurde 2009 vom Verein Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ins Leben gerufen. Das Ziel ist, die Nachhaltigkeit von Gebäuden im In- und Ausland zu fördern.

Das Zertifikat wird an verschiedene Gebäudetypen (Büro- und Verwaltungsgebäude, Wohnbauten, etc.) und Gebäudearten (Neubauten, bestehende Bauten) in den Kategorien Gold, Silber oder Bronze verliehen. Neben Aspekten der Ökologie und Energieeffizienz gehen ebenso soziokulturelle, ökonomische, funktionale, technische, prozess- und standortspezifische Betrachtungen in die Bewertung ein. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bewertungssystemen werden die DGNB-zertifizierten Gebäude über einen Betrachtungszeitraum von 50 Jahren analysiert. Sowohl die Herstellung, als auch der Betrieb und der Rückbau fließen erstmalig in eine Nachhaltigkeitsbewertung ein.

 
Der Verein Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) arbeitet mit Partnerorganisationen im Ausland zusammen.
www.dgnb.de

TÜV SÜD SCoRE

Das Nachhaltigkeitszertifikat Sustainablility Certification of Real Estate (SCoRE) bewertet Immobilien. Der TÜV SÜD SCoRE analysiert die Nachhaltigkeit von Büro- und Verwaltungsgebäuden im Bestand. Das Zertifikat dient Immobilienmanagern als Instrument zur Einschätzung der Zukunftsfähigkeit eines Objekts. Es ist drei Jahre gültig und wird in den Kategorien „Silber“ oder „Gold“ vergeben.
www.tuev-sued.de


Wichtige Adressen

Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE)

Die Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) unterstützt bei der Umsetzung der EU-Richtlinien.

Die im Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingerichtete Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) überwacht die Erreichung der Ziele, die in der Richtlinie der Europäischen Union 2006/32/EG über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen formuliert wurden. Die BfEE stellt unter anderem Informationen zum Thema "Energieeffizienz" zur Verfügung und führt eine Anbieterliste von Energiedienstleistungen, Energieaudits oder Energieeffizienzmaßnahmen. In die BfEE-Anbieterliste können sich alle interessierten Anbieter eintragen lassen.
www.bfee-online.de

Deutsche Energieagentur GmbH (dena)

Die Deutsche Energieagentur GmbH (dena) ist ein Kompetenzzentrum für Energieeffizienz, erneuerbare Energien und intelligente Energiesysteme.

Die Agentur befindet sich mehrheitlich in Staatseigentum. Sie analysiert, informiert und berät rund um die Themen "Energieeffizienz", "erneuerbare Energien" und "intelligente Energiesysteme". Die Dena führt verschiedene Projekte und Studien im Bereich der Energieeffizienz für Gebäude durch. Des Weiteren bewertet das Unternehmen Technologien und zeichnet Neubauten und sanierte Wohnhäuser, die einen besonders niedrigen Energiebedarf haben, mit dem Gütesiegel Effizienzhaus aus.
www.dena.de

Energieausweis

Der Energieausweis ist ein Dokument zur energetischen Bewertung von Gebäuden.

Der Ausweis kann von Architekten, Planern und Handwerkern ausgestellt werden. Es gibt keine zentrale Zulassungsstelle, bei der man den Energieausweis beantragen kann. Die Deutsche Energieagentur GmbH (dena) betreibt eine bundesweite Aussteller-Datenbank und stellt Informationen zum Energieausweis zur Verfügung. Handwerksunternehmen können sich unter Nachweis ihrer Qualifikation als Aussteller in die dena-Datenbank eintragen lassen.
www.zukunft-haus.info

Exportinitiative Energieeffizienz

Die Exportinitiative Energieeffizienz fördert die Marke "Energieeffizienz - Made in Germany".

Die Initiative steht unter der Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und weiteren Partnern aus Politik und Wirtschaft. Sie richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, die mit ihren Produkten und Leistungen zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen.

Die Exportinitiative Energieeffizienz bietet Veranstaltungen zu ausgewählten Exportmärkten an, veranstaltet Fachseminare und Geschäfts- bzw. Einkäuferreisen. Außerdem stellt die Initiative deutschen Unternehmen ein weltweites Netzwerk zur Verfügung.
www.efficiency-from-germany.info

Sonnenhaus-Institut e.V.

Das Sonnenhaus-Institut ist Informationsplattform und Netzwerk für Solartechnologie.

Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung und Verbreitung weitgehend solar beheizter Gebäude zu beschleunigen. Er bietet neben einer Informationsplattform für den Erfahrungs- und Informationsaustausch und auch ein Netzwerk an Planern und Firmen. Der Verein Sonnenhaus-Institut hat unter Berücksichtigung von Bau- und Heizkomponenten ein Gesamtkonzept für das so genannte „Sonnenhaus“ entwickelt.
www.sonnenhaus-institut.de