Energieeffizientes Bauen und Sanieren in Italien

Gesetzliche Grundlagen

Italien ist stark von Energieimporten abhängig, sodass eines der Hauptziele der italienischen Energiepolitik darin besteht, die Energieeffizienz zu steigern und Einsparungen in allen Bereichen des Endverbrauchs zu erreichen. Hierzu wurden in den letzten Jahren zahlreiche Vorschriften verabschiedet, mit dem Ziel, EU-Richtlinien umzusetzen. Energieeffizienz war lange Zeit in Italien kein Thema, nun ist der Bedarf hoch, was für deutsche Unternehmen eine Chance sein dürfte. (www.gtai.de)

 

Dekret 192/2005 und Legislativdekret 311/2006

Nach dem Dekret von 2005 und der Ergänzung von 2006 (311/2006) müssen Gebäude je nach Klimazone einen bestimmten Mindeststandard der Wärmeisolierung erfüllen. Der Standard dafür wird jährlich gesteigert. Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden werden steuerlich berücksichtigt und für Altbausanierung können Abschreibungen geltend gemacht werden.

 

Energiepass Certificazione energetica

Auch Italien hat mittlerweile das EU-Gesetz umgesetzt, wonach für jedes Haus und jede Wohnung ein Energiepass ausgestellt werden muss. Der Energiepass Certificazione energetica ist bei Verkauf oder Vermietung einer Immobilie vorzulegen. Er ist Bestandteil des Notarvertrages und gilt im Regelfall zehn Jahre. (www.certificazioneenergeticaonline.com)




Industria 2015

Das Programm des  Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen, Ministero dell'Economia e delle Finanze (MEF) unterstützt die Entwicklung von innovativen Bautechniken und effizienten Baumaterialien. Das Ziel: Die Wettbewerbsfähigkeit italienischer Unternehmen soll dadurch verbessert werden. Das Programm Industria 2015 ist noch aktiv, allerdings wurden bereits alle Fördermittel vergeben.



Standards

In Italien gibt es verschiedene Standards von energieeffizienten Häusern: Edificio a consumo zero & Casa passiva

  • Edificio a consumo zero entspricht dem Standard des Nullenergiehauses
  • Casa passiva entspricht dem Passivhaus

 

KlimaHaus

Beim Bauen nach diesen Standards nehmen die Regionen im Norden Italiens eine Vorreiterrolle ein. Im Süden sind diese Bauweisen noch relativ unbekannt.

Die KlimaHaus Agentur Bozen, dessen Zertifizierung KlimaHaus Gold dem Passivhaus-Standard entspricht, spielt bei der Bekanntmachung und Realisierung von Niedrigenergiehäusern eine wichtige Rolle. (www.klimahaus.it)

 

Plus-Energy House

Das Plus-Energy-House bezeichnet einen Gebäudestandard, bei dem mehr Energie produziert als verbraucht wird. (www.casautonoma.eu)

 

Folgende Organisationen bieten Beratungen und Qualitätsüberwachungen bezüglich des Passivhausstandards an:



Zertifizierungen

KlimaHaus

KlimaHaus ist eine Zertifizierung der KlimaHaus Agentur Bozen. Die KlimaHaus Agentur ist eine Institution der Autonomen Provinz Bozen und als öffentliche und unabhängige Organisation für die energetische Zertifizierung von Gebäuden sowie für die Aus- und Weiterbildung für alle am Bau mitwirkenden Akteure zuständig. Bisher erhielten in Italien mehrere tausend Gebäude eine KlimaHaus-Zertifizierung. (www.klimahaus.it)

Es gibt drei KlimaHaus-Kategorien:

  • KlimaHaus Gold: Heizenergiebedarf unter 10 kWh/m²a
  • KlimaHaus A: Heizenergiebedarf unter 30 kWh/m²a
  • KlimaHaus B: Heizenergiebedarf unter 50 kWh/m²a
KlimaHaus nature

Mit der Zertifizierung KlimaHaus nature wird neben der Energieeffizienz auch die Nachhaltigkeit eines Gebäudes bewertet. In die Bewertung fließen die Faktoren "Umweltverträglichkeit von Baumaterialien", "Wassermanagement" und "Aufwand an Energie" ein.

 

KlimaHaus R

Seit Januar 2013 gibt es die Zertifizierung KlimaHaus R. Bei einer Sanierung sind bauliche Eingriffe, Standardlösungen und neue Technologien schwieriger durchzuführen als bei einem Neubau. KlimaHaus R gibt dazu nun Hilfestellung und Orientierung. Das Zertifikat befasst sich vor allem mit Sanierungsmaßnahmen von denkmalgeschützten Gebäuden. Es geht hier nicht nur um die Gesamtsanierung eines Hauses, sondern auch um Sanierung einzelner Wohnungen. Berücksichtigung finden vor allem technische Voraussetzungen (z. B. Wärmebrücken) und gesetzliche Einschränkungen (z. B. Mindestabstände, Sicherheitsoder Brandschutzvorschriften).

 

Protocollo Itaca

Das Protocollo Itaca ist ein regionales Zertifizierungsinstrument für nachhaltige Gebäude. Grundlage für die Zertifizierung ist die Methode der internationalen Initiative iiSBE (International Initiative for a Sustainable Built Environment). Das Protocollo Itaca gibt es in den Regionen Piemont, Ligurien, Marken, Toskana, Latium und Apulien in jeweils angepassten Versionen.



Wichtige Adressen

Autorità per l’energia elettrica e il gas

Die unabhängige Energie- und Gasagentur Italiens ist zuständig für die Überwachung der Energiesektoren. (www.autorita.energia.it)

 

Bioarchitettura®

Das Nationale Institut für Bioarchitektur ist eine Non-Profit-Organisation. Bioarchitettura® informiert und lehrt zu den Themen gesundes Wohnen und ökologische Umstellung der Baubranche. (www.bioarchitettura.it)

 

CasAutonoma

Die Vereinigung von verschiedenen Unternehmen aus dem Baugewerbe plant und realisiert den Bau von Passiv- und Niedrigenergiehäusern sowie die energetische Sanierung von Altbeständen. Sie stellt außerdem auf ihrer Homepage Informationen zum Bauen nach Niedrigenergiestandards bereit. (www.casautonoma.eu)